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Studentenportrait

Portrait
Sara aus Mailand

Im Interview vorgestellt: Sara Contini-Frank
Studentin des Studiengangs lllustrationsdesign an der AID Berlin

Du lebst seit elf Jahren in Berlin. Warum hast du Italien verlassen und wie kam es zum Studium Illustrationsdesign?

Meine erste Station war Kaiserslautern. Ich kam als Austauschschülerin nach Deutschland – und bin geblieben! Nach drei kurzen Berlin-Besuchen reifte noch vor dem Abitur der Plan, zum Studium in die Hauptstadt zu ziehen. Hier habe ich Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Medien studiert und beim späteren Arbeiten immer wieder gemerkt, dass ich viel lieber etwas Praktisch-Kreatives tun wollte. So kam ich zur AID Berlin und startete zunächst im Vorstudienjahr Design, um für meinen neuen Weg die Richtung abzustecken. Nach einem Semester war klar: Ich will Illustration studieren! Also konnte ich gleich dableiben und wechselte ins Vollstudium Illustrationsdesign

Welche Vorstellung vom Beruf des Illustrators hattest du vorm Studium? Hat sich inzwischen daran etwas geändert?

Vor dem Studium dachte ich, dass es "nur" ums künstlerische Zeichnen geht. Ich hatte hauptsächlich das Bild des Kinderbuch-Illustrators vor Augen. Jetzt sieht das anders aus, vor allem vielfältiger. Zum Studium gehören neben zwei- auch dreidimensionale Entwurfsaufgaben – hier Zeichnen, da Bauen aus Papier. Es entstehen Bilder in ganz unterschiedlichen Umsetzungen. Auch dank meiner bisherigen Berufserfahrung bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass man als Illustrator gut mehrgleisig fahren kann. Das heisst, Auftragsjobs zu erfüllen und gleichzeitig Eigenentwicklungen voran zu treiben. So kann ich mit Ideen auf den Kunden zugehen, anstatt Aufgaben nur von außen kommen zu lassen.

Du studierst bereits im fünften Semester, hast viel gezeichnet, illustriert und entworfen. Welche Vorlieben im Strich haben sich bei dir entwickelt, welche Erfahrungen mit dem eigenen Zeichenstil hast du seither gemacht?

Ich liebe es, Tusche mit Wasserfarben zu kombinieren. Es ist ein spannendes Experiment, Wasserfarben die klar definierte Kontur eines Tuschestrichs übertreten zu lassen. Ich arbeite auch mit Acrylfarben, habe Spaß an Collagen und schöpfe ab und zu mein Papier selbst. Mein Zeichenstil hat sich seit Studienbeginn auf jeden Fall verändert, er ist lockerer, freier, im positiven Sinne zufälliger geworden. Ich würde meinen Stil als filigran und detailreich bezeichnen. Und er ist natürlich weiterhin Veränderungen unterworfen. Ich könnte mir vorstellen, zukünftig großformatiger und mit neuen Materialien zu arbeiten.

Studieren an einer Berufsfachschule bedeutet, nah an der Praxis zu sein. Welche Berührungspunkte mit der Wirtschaft haben sich im bisherigen Studium ergeben?

Gleich zu Beginn des Studiums habe ich an einem Kinderbuchwettbewerb teilgenommen, immerhin sind da gleich mal 24 Doppelseiten mit Text und Bild entstanden. Dann haben wir im Rahmen eines Studienprojekts für einen Textilhersteller Stoffmuster zum Thema "Russland" entworfen. Ein weiteres Projekt drehte sich um die Illustration einer Hörbuchfigur, die als "unsichtbares Mädchen" durch die Welt spaziert – keine einfache Aufgabe. Am Ende freute ich mich, als Gewinnerin aus dem Entwurfswettbewerb hervorzugehen. Eine andere besondere Aufgabe war, die Zukunftsvisionen von unterschiedlichen Führungsteams in digitale Illustrationen umzusetzen – direkt vor Ort beim Zukunftsdialog der Firma Siemens in der Akademie der Künste Berlin. Über mangelnden Kontakt zur Berufspraxis kann ich mich also nicht beschweren ...

Dein Studium Illustrationsdesign ist ein Vollzeitstudium. Der Unterricht an der Akademie nimmt einen halben Tag in Anspruch, wie sieht bei dir die zweite Tageshälfte aus?

Meine Zeit außerhalb des Unterrichts ist reichlich gefüllt. An manchen Studienprojekten arbeite ich in der Akademie direkt weiter. Oder ich verfolge eigene Zeichenübungen und fülle mein Skizzenbuch mit Ideen. Wenn ich nicht gerade in der Stadt unterwegs bin, um mir Inspiration zu holen, sitze ich zu Hause am Wohnzimmertisch und bin mit Auftragsarbeiten beschäftigt. Auch die Pflege meines Illustrationsblogs "Berlin am Sonntag" nimmt Zeit in Anspruch, jeden Sonntag gibt es einen bebilderten Newsletter "frei Haus".

Wie finanzierst du dein Studium? Viele deiner Kommilitonen haben Nebenjobs, wie sieht es bei dir aus?

Ich lebe u.a. von Auftragsarbeiten. Meine Kunden sind oftmals Berliner Unternehmen, für die ich Drucksachen, Präsentationen, Flyer oder auch illustrierte "Portraits" ihrer Firmengebäude erstelle. Außerdem vertreibe ich die Postkarten-Edition mit Aquarellen meiner Berlinmotive an Buchhandlungen, Kiezläden und Cafés. Und die Originale verkaufe ich über meinen Blog.

Demnächst sind deine Illustrationen in einer Einzelausstellung zu sehen. Wie kommt man als Studentin zu einer eigenen Ausstellung?

In meinem Fall war es so, dass ein lokales Magazin in Berlin-Moabit über meine Bilder berichtet hat. Durch diese Veröffentlichung wurde eine Galerie vor Ort auf mich aufmerksam. Prompt folgte eine Einladung, meine Aquarelle auszustellen. In den nächsten Wochen sind dort meine "Moabiter Ansichten" zu sehen – natürlich dem Stadtteil gewidmet, wo meine Bilderserie ihren Anfang nahm.

Studienprojekte mit geregelten Vorgaben – oder Entwicklung eines persönlichen Stils, liegt darin für dich ein Widerspruch? 

Keinesfalls! Bei Aufgaben mit klaren Vorgaben, wie sie im Studium gestellt werden, kann man durchaus über sich "hinauswachsen". Themen, die von außen kommen, die mir zunächst fremd sind, versuche ich mit eigenen bildnerischen Mitteln zur Sprache zu bringen. Ob Studienprojekt oder Kundenauftrag, auch das Arbeiten in einem begrenzten Zeitrahmen schränkt ein. Aber es sind gerade solche neuen Impulse, die mir die Gelegenheit bieten, mich und meinen Stil weiter zu entwickeln.

Blicken wir ein wenig in deine Zukunft. Wie siehst du deine berufliche Positionierung: Bilderlieferant? Dienstleister? Berater? Oder Künstler?

Ich sehe mich auf einigen dieser Positionen – als Dienstleister, Berater und auch als Künstler. Vielleicht werde ich eine "Stadt-Illustratorin", ich mag Stadtansichten und -pläne aller Art. Mein künstlerischer Schwerpunkt liegt im Portraitieren von Architektur. Was da entsteht, ist auch für Verlage, Unternehmen und Privatpersonen interessant. Ich kann mir vorstellen, zukünftig neben den Berlin-Portraits auch Bilder anderer Metropolen zu liefern. Außerdem hat mir mein medienpädagogischer Hintergrund immer geholfen, wenn es darum ging, mehr oder weniger komplexe Sachverhalte darzustellen, zum Beispiel bei Infografiken oder bei Illustrationen für Schulungsmaterial. Auch auf diesen Bereich möchte ich meine Tätigkeit weiter fokussieren.

Als Studentin des ersten Jahrgangs der AID Berlin bist du von Anfang an dabei. Dein Weg hätte dich auch zu einer etablierten Hochschule führen können. Was ist für dich das Besondere an der vergleichsweise jungen Akademie?

Entscheidend für mich ist die familiäre Atmosphäre im Vergleich zur anonymen Situation an einer Uni! An unserer Akademie besteht eine enge fachliche und persönliche Bindung an die Dozenten. Sie können mich über einen längeren Zeitraum kennenlernen und wissen dadurch am Besten, was mich an bestimmten "Wendepunkten" weiterbringen könnte. Den Begriff Akademie für Illustration finde ich daher äußerst passend, er bringt genau auf den Punkt, was wir hier machen: sich mit anderen Kreativen einen "Raum" zu teilen, in dem Bilder entstehen – in kleinen Gruppen, persönlich betreut.

In einem Jahr wird Sara bereits mit ihrer Abschlussarbeit beschäftigt sein. Wir wünschen schon jetzt viel Erfolg und bedanken uns für das Interview!

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