Stipendiumswettbewerb SS 2020

Studentenportrait

Portrait
Brandon aus Texas

Manche bleiben im Film des eigenen Lebens eher Zuschauer, andere schreiben das Drehbuch lieber selbst. Brandon gehört zu den anderen. Aufgewachsen im US-Bundesstaat Texas, entstammt Brandon einer deutschen Auswandererfamilie, deren Namen heute eine ganze Stadt trägt. Zur Tradition der Familie Pfluger zählt auch, mit ihren Kindern gemeinsam Bücher zu schreiben und zu illustrieren. Brandon erinnert sich an seine Kindheit: „Wir haben unsere selbstgemachten Bücher sogar in Krankenhäuser getragen und dort verschenkt. Heute würde man Kindern stattdessen ein iPad in die Hand drücken.“ In der Highschool hat Brandon die Cartoons der Schülerzeitschrift gezeichnet.

Und dann von Texas nach Berlin – wie kam es dazu? „Zunächst habe ich ein Drehbuch-Studium an der Chapman University in Kalifornien absolviert. Auch für Storyboarding hatte ich ein Faible. Dann kam das Gefühl, wieder etwas für meine deutschen Wurzeln tun zu müssen. Also studierte ich Germanistik. Ein Aspekt meiner Masterarbeit waren deutsche Märchen, die mir bereits aus Kindertagen bekannt waren, ein weiterer die deutsche Kunst. Zu dieser Zeit besuchte ich eine Ausstellung in Los Angeles zur Kunst des Kalten Krieges.“

Nächste Station: Deutschland. Besser gesagt Dresden. Brandons Sprachkenntnisse kamen ihm in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen sehr zugute: „Mein Job war, die Besucher zu betreuen, mehrsprachig durchs Werk zu führen und auch die Architektur zu erklären. Das war interessant, aber nicht kreativ genug.“ Also nahm Brandon deutsche Designschulen ins Visier. 

Was waren die Auswahlkriterien? „Die Studiengänge vieler Unis waren mir zu speziell, das Fachgebiet zu eingeengt. Außerdem brauchte ich keinen weiteren Hochschulabschluss, davon hatte ich genug in der Tasche. An der AID Berlin hat mich die Vielschichtigkeit des Studienprogramms gereizt. Sich in vielen unterschiedlichen Disziplinen ausprobieren zu können – heute steht Infografik auf dem Programm, morgen Bühnenbild – das kenne ich nur von amerikanischen Schulen, mit dem Unterschied, dass so eine Ausbildung dort wesentlich kostspieliger ist.“

Apropos Kosten. Viele Studierende der Akademie finanzieren ihr Studium eigenständig, auch Brandon. Wie geht das? „Nach der Akademie beginnt mein ´zweiter´ Arbeitstag. Ich bin pädagogischer Leiter bei einem großen Fremdspracheninstitut und führe über 50 Sprachlehrer. Trotzdem bekomme ich Studium und Job unter einen Hut“.

Was sind Brandons Ziele für die kommenden sieben Semester Illustrationsdesign? „Ich möchte ein starkes Portfolio aufbauen. Ich möchte die Vielfalt ausnutzen und herausfinden, wo meine Stärken liegen, da ich noch nicht auf einen Designbereich festgelegt bin. Ich freue mich auch, weitere Studenten zu treffen, die wie ich nach Berlin gekommen sind. Die verschiedenen Stile kennen zu lernen, in andere Skizzenbücher zu schauen. Jeder hat eine andere Herkunft, bringt andere Einflüsse mit ins Studium.“

Egal, welche dramaturgische Wendung Brandons Laufbahn noch bereithält, wir wünschen viel Glück dabei!