Stipendiumswettbewerb SS 2020

Studentenportrait

Portrait
Andreas aus Aachen

Erinnerst du dich an deinen ersten Tag im Vorstudienjahr? Mit welchen Vorsätzen bist du damals zu uns gekommen?

Ich erinnere mich noch gut, wie ich von Aachen nach Berlin-Kreuzberg kam. Endlich war ich in der Hauptstadt! Und gleich umgeben von tausend Sinneseindrücken – alles war groß, laut und bunt. Auch mein Einstieg an der Akademie war spannend. Im Kunstleistungskurs hatte ich schon ein starkes Interesse für Mode, Produktdesign und Architektur entwickelt, aber nun wollte ich herausfinden, welche Fachrichtung für mich in Frage kommt. So lautete mein konkreter Anspruch an das Vorstudienjahr Design.

Du hast dich ein Jahr lang orientiert, ausprobiert und herausgefunden, welcher Designstudiengang zu dir passt. Wie verlief bei dir die Entscheidungsfindung?

Zunächst war ich Feuer und Flamme für´s Modedesign. Das ist kaum verwunderlich, denn in diesem Bereich fand auch unser erster Praxisworkshop statt. Parallel startete ich meine Bewerbungen in Richtung Mode an den Hochschulen in Halle, Hannover und Maastricht. Dann kam der Umschwung Richtung Produktdesign. Auslöser war das Package Design Projekt, das uns im Grundlagenkurs „Dreidimensionales Entwerfen“ beschäftigt hat. Ich werde ab Oktober in einem kombinierten Studiengang studieren, wobei mein Schwerpunkt heute stärker beim Produktdesign liegt. 
An der AID habe ich etwas ganz Wesentliches gelernt: Wer über den eigenen gestalterischen „Tellerrand“ hinausschaut, muss sich nicht lebenslang auf einen Designberuf festlegen. Was es heißt, ein interdiszipliniert ausgebildeter Gestalter zu sein, habe ich bereits im Vorstudienjahr erfahren.

So mancher Anwärter auf´s Designstudium bereitet sich allein zu Hause auf seinen Bewerbungsweg vor. Wie empfandest du die Atmosphäre unter Gleichgesinnten an der Akademie, wo doch jeder nach dem Vorstudienjahr in eine andere Richtung strebt?

Ich fand es super. Wir haben uns gegenseitig inspiriert und Feedback gegeben. Wir haben zusammen an einem Tisch gearbeitet, manchmal unter Zeitdruck, wenn ein Abgabetermin anstand und so manches Bewerbungserlebnis geteilt. Irgendwann fing ich an, die AID als mein Privatatelier zu betrachten, in dem ich von früh bis spät arbeiten konnte. Es fiel mir leichter, in der Akademie zu arbeiten als zu Hause. Nicht zu vergessen die Verfügbarkeit der Dozenten, die ich auch außerhalb der Unterrichtszeiten ansprechen konnte …

Du hast Bewerbungsverfahren an mehreren Hochschulen mit Erfolg durchlaufen. Welchen Rat würdest du anderen mitgeben, die sich auf einen Marathon dieser Art begeben?

Man sollte am besten so früh wie möglich anfangen sich zu bewerben. Meine Bewerbungen an den Unis haben mich acht Monate lang beschäftigt. Bevor man sich an seiner „Traum-Uni“ bewirbt, ist es gut, bereits andere Prüfungen durchlaufen zu haben. Diese Routine – auch wenn es einmal nicht geklappt hat – ist Gold wert. Es ist ein Training, man wird ruhiger von Mal zu Mal, kann andere beobachten, um es selbst besser zu machen. 
Und was noch viel wichtiger ist: Man lernt, was die Prüfungskommission eigentlich von einem erwartet. Bei meiner Bewerbung an der Kunsthochschule Weißensee habe ich mich noch viel zu sehr im Rahmen bewegt, zu wenig quer gedacht. Mit jeder Prüfung sind mir in der Rückschau mehr Ideen gekommen. Hätte ich mich z.B. gleich am Anfang an der Universität der Künste Berlin (UdK) beworben, wären meine Erfolgsaussichten gering gewesen. Erst als ich die Erwartungen der Aufnahmekommission kannte, hat es auch geklappt.

Welche dir von den Unis gestellte Aufgabe hat dich am meisten herausgefordert?

Die schrägste Aufgabe verteilte tatsächlich die UdK. Es hieß: „Die Prüfungskommission hat Geburtstag. Wie sieht dein Geschenk aus?“ Für die Lösung stand lediglich Papier zur Verfügung. Während andere an Geburtstagstorten herumbastelten, entwickelte ich den Plan, etwas Formatsprengendes und Überraschendes zu entwerfen. In Anlehnung an historisch belegte Geburtstagsriten der Römer ließ ich einen Schutzgeist passend zum Tierkreiszeichen „auferstehen“. Während meiner Präsentation zog ich einen zwei Meter großen Papierlöwen unter die Decke des Prüfungsraums – für die Professoren eine echte Überraschung!

Was war der spannendste Moment während deiner Prüfungstage an den Hochschulen?

Als mich die Prüfungskommission der UdK fragte, wann ich das letzte Mal vor Freude in Tränen ausgebrochen wäre. Ich dachte noch, jetzt bloß nichts Falsches sagen! Meine Antwort bezog sich dann auf den Tag, an dem ich die Schlüssel meiner ersten Berliner Wohnung in Händen hielt. Aber ich konnte bereits spüren, dass es um meine bestandene Aufnahmeprüfung ging …

Du wirst zukünftig in einem kombinierten Studiengang Produkt- und Modedesign studieren. Wie wichtig ist dir, als Gestalter in möglichst vielen Bereichen mitzumischen?

Ich finde es viel spannender, interdisziplinär zu studieren, als nur auf ein Themengebiet festgelegt zu sein. Interessant sind die Unterschiede. Mode ist schnell und kann schrille Entwürfe hervorbringen. Im Produktdesign sind die Entstehungsprozesse langsamer. Mich reizt auch die Bandbreite der zu gestaltenden Produkte, vom Automobil bis zur Zahnbürste. Auch die Architektur bleibt für mich ein mögliches Betätigungsfeld. Ich will so viel wie möglich ausprobieren!

Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Meine Vision ist ein eigenes Label für Kleidung und Möbel, vielleicht sogar kombiniert mit Raumentwürfen. Ich sehe mich eher selbständig arbeiten, anstatt irgendwo angestellt zu sein. Im Ausland zu arbeiten oder für internationale Kunden tätig zu sein, wäre auch verlockend.

Am Ende deiner erfolgreichen „Bewerbungstournee“ hast du dich für die Universität der Künste Berlin entschieden – was gab dafür den Ausschlag?

Die UdK war mein Favorit, und zwar von Anfang an. Sie behauptet von sich selbst, eine der größten Kunsthochschulen Europas zu sein. Dem entsprechend hatte ich mir zu Beginn des Vorstudienjahres eine Bewerbung nicht zugetraut. Ich denke, dass der kombinierte Studiengang gut zu mir passt und ich später als Designer breit aufgestellt sein werde.

Das Vorstudienjahr ist fast vorbei, bis zum neuen Studienstart ist noch Zeit. Legst du inzwischen die Hände in den Schoß? Was beschäftigt dich aktuell, wie geht´s weiter?

Zunächst steht ein Umzug an. Ich werde eine WG gründen. Außerdem möchte ich mein Portfolio pflegen und eine eigene Website aufbauen. Und – zu entwerfen gibt es immer etwas: Den Schreibtisch für die neue Wohnung werde ich selbst bauen. Auf dem wird natürlich mein Y-Halter für Schreibgeräte stehen. Ein Entwurf aus meiner Bewerbungsmappe, der an mancher Hochschule bereits für Furore gesorgt hat.
 
Wenn ich zum Schluss des Vorstudienjahres und dieses Interviews eine Resümee ziehen darf – an der AID Berlin habe ich gelernt: Schränke dich nicht selbst ein, widersprich den Erwartungen, denke quer!

Wir sind gespannt auf weitere Erfolge und wünschen das Beste für die Zukunft!

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