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Studentenportrait

Portrait
Eva aus Caracas und Zürich

In Venezuela geboren, in Caracas und Zürich aufgewachsen und in Berlin zu Hause blickt Eva auf einen spannenden, manchmal kurvigen, aber in jedem Fall erfolgreichen Weg zu ihrem Traumberuf zurück: Seit ihrem Abschluss an der AID Berlin im März 2017 arbeitet sie als freiberufliche Illustratorin und hat diesen Schritt bis heute nicht bereut.

Anderthalb Jahre ist dein Studium an der AID Berlin nun her. Worüber handelte damals deine Abschlussarbeit?

Parallel zu der Ausbildung habe ich sehr intensiv an meinen Skizzenbüchern gearbeitet. Die dabei entstandenen Zeichnungen wollte ich nicht ungenutzt lassen, weshalb ich mich dazu entschieden habe, aus dem umfangreichen Bildfundus heraus eine Graphic Novel zu entwickeln. Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein Mädchen, das in einer Art Phantasiewelt verschiedene Herausforderung meistern muss, fast zu scheitern droht, doch am Ende erneuert und gestärkt hervorgeht. Natürlich konnte ich nicht alle Bilder dafür verwenden. Deswegen musste ich als erstes stark selektieren, die ausgewählten Illustrationen anschließend scannen und in Photoshop digital bereinigen, bevor es zur eigentlichen Erzählung ging.

Wie wichtig ist das Führen eines Skizzenbuchs für dich?

Das ist unersetzlich! Im Skizzenbuch hat man Raum, sich kreativ auszuleben, Neues zu versuchen, Fehler zu machen und sich selbst zu reflektieren. Vor allem aber hat man Raum, um zu üben, üben, üben. Zeichnen ist nicht etwas, was man nebenbei im Unterricht lernt. Genau wie ein Spitzensportler täglich trainieren muss, um seine Fähigkeiten weiterzuentwickeln, muss auch ein Illustrator immer wieder zu Stift und Papier greifen. Gerade in den ersten Semestern einer Ausbildung, in denen die Grundlagen vermittelt werden, sollte man nichts verpassen, um später darauf aufbauen zu können. Und manchmal entwickeln sich aus dem Skizzenbuch ja auch neue Projekte, wie zum Beispiel eine Graphic Novel.  

Konntest du denn auf deine Graphic Novel nach dem Abschluss weiter aufbauen?

Da ich als Freelancerin tätig bin und aktuell an sehr vielen Aufträgen arbeite, bleibt daneben nur wenig Zeit für meine Privatprojekte. Allerdings konnte ich die Graphic Novel auf der Frankfurter Buchmesse verschiedenen Comicbuchverlagen vorstellen. Das Feedback war durchweg positiv, was mich natürlich sehr gefreut hat. Beim Reprodukt-Verlag erhielt ich sogar die Chance, mit dem Verlagschef persönlich zu sprechen. Auch wenn es erst einmal nicht zu einer Veröffentlichung gekommen ist, konnte ich aus dem Gespräch viele wertvolle Tipps mit nach Hause nehmen.

Du sprichst selber von einer derzeit guten Auftragslage – wie sah das direkt nach deinem Abschluss aus?

Schon während meines Studiums habe ich nebenher gearbeitet und dadurch bereits wichtige Kontakte knüpfen können. So zum Beispiel auch zur Gründerin eines Start-ups, das im Bereich „Grüne Chemie“ agiert. Um die komplexen Arbeitsprozesse des Unternehmens auch für Außenstehende zugänglich zu machen, habe ich damals den Auftrag erhalten, anschauliche Infografiken anzufertigen. Ich übersetzte quasi komplexe Informationen in visuelle Elemente. Aus dieser Zusammenarbeit haben sich dann weitere Projekte ergeben. Momentan konzipiere ich für dieselbe Kundin eine Präsentation, die in Zukunft bei Gesprächen mit Investoren eingesetzt werden soll. Das hat in dem Fall natürlich nur am Rande etwas mit Illustration zu tun, aber ich sehe mich nicht nur als Gestalterin, sondern auch als Problemlöserin.

Gab es ein Projekt, das dich besonders gefordert hat?

Letztes Jahr habe ich an einem Animationsfilm für Die Johanniter gearbeitet. Alle Bilder, die darin gezeigt werden, sind von Hand gezeichnet, was natürlich einen großen Aufwand bedeutet. Deswegen habe ich auch gemeinsam mit einer anderen Illustratorin an diesem Projekt gearbeitet. Mehrheitlich wurden aber meine Figuren für den Film verwendet und auch meine Bildsprache hat sich durchgesetzt. Hilfreich dafür war in jedem Fall, dass ich bereits auf einige Erfahrungen in dem Bereich zurückgreifen konnte, da ich schon während meiner Ausbildung an der AID Berlin ein Erklärvideo erstellt hatte. Trotzdem war die Aufgabe sehr herausfordernd, denn der Film sollte ganz ohne Worte auskommen und in zweieinhalb Minuten ein ganzes Leben zusammenfassen. Das bedeutet acht Zeichnungen pro Sekunde.

Worüber handelt der Film?

Das Video erzählt die Geschichte eines Profisportlers im Diskuswurf und Kugelstoßen, der 2016 an den Paralympics in Rio teilnahm und die Goldmedaille für Deutschland gewann. Mit 19 Jahren hatte er einen schweren Autounfall und erhielt die ärztliche Diagnose, nie mehr laufen zu können. Trotzdem hat er sich davon nicht entmutigen lassen und kann heute wieder eingeschränkt gehen. Um Diskuswurf und Kugelstoßen ausüben zu können, musste er allerdings ganz eigene Bewegungsabläufe entwickeln – anscheinend mit Erfolg!

Wie kommst du mit der Selbstständigkeit zurecht? Wie fühlt sich das heute an?

Das fühlt sich sehr gut an! Mittlerweile kann ich von meiner Arbeit als Illustratorin leben und bin nicht mehr auf Nebeneinkünfte angewiesen. Natürlich gibt es auch mal weniger schöne Tage, aber man lernt mit der Zeit, seine Finanzen gut einzuschätzen und zu verwalten. Da ich arbeitstechnisch sehr flexibel bin, kann ich außerdem die verschiedensten Aufträge annehmen – von Anfragen zu Infografiken übers Graphic Recording bis hin zur klassischen Illustration. Dabei ist es sehr wichtig, ein gutes Empfinden dafür zu entwickeln, wie viel die eigene Arbeit tatsächlich wert ist. Man muss also lernen, den Arbeitsaufwand für ein Projekt richtig einzuschätzen und einen dementsprechend angemessenen Preis aufzurufen. Am Anfang meiner Selbstständigkeit waren da oft Unsicherheiten, mittlerweile weiß ich damit aber gut und selbstbewusst umzugehen.

Festanstellung, sicheres Einkommen, geregelte Arbeitszeiten – wäre das nicht verlockend für dich?

Nicht wirklich, dafür genieße ich meine Freiheiten als Freelancerin viel zu sehr. Vor allem möchte ich auch weiterhin an eigenen Projekten arbeiten können. Für eine Anstellung im Lehrbereich würde ich allerdings eine Ausnahme machen. Es macht mir sehr viel Spaß, mein Wissen an andere weiterzugeben. In der Vergangenheit habe ich auch schon einen Workshop zum Thema „Farbgestaltung“ angeboten, an dem sechs Personen teilnahmen. Die Resonanz war sehr positiv, daran würde ich gerne anknüpfen. Aktuell plane ich zum Beispiel einen Workshop zum Thema „Lichtgestaltung illustrativ darstellen“ an der Staatlichen Fachhochschule Wismar. Dabei zeige ich einer Gruppe von Masterstudierenden, wie man Licht und Schatten auch illustrativ umsetzen kann.

Du selber hast dich damals für eine Ausbildung an einer Berufsfachschule entschieden. Warum und wo siehst du die Unterschiede zur universitären Ausbildung?

Das hatte viele Gründe. An der Berufsfachschule arbeitet man in viel kleineren Klassen und hat so die Möglichkeit, sich intensiv mit Kommilitonen und Dozenten auszutauschen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Unterrichtsgestaltung wesentlich flexibler, manchmal sogar experimentierfreudig ist. Das Kolloquium kann auf diese Weise stetig verbessert werden und ist nicht in alten Strukturen festgefahren. Außerdem ist die Kommunikation hier viel direkter, weil Kritik und Verbesserungsvorschläge ohne Umwege an die Verantwortlichen weitergegeben werden können. Man hat so das Gefühl, tatsächlich etwas zu bewirken. Bei meiner Ausbildung an der AID Berlin sind durch den regen Austausch zwischen Dozenten und Studierenden zum Beispiel tolle Projekte wie der alljährliche Weihnachtsmarkt oder der Artist’s Talk entstanden.

Wenn du auf deine Ausbildung zurückblickst, was würdest du aktuellen Studierenden mit auf den Weg geben wollen? Was sollte man nicht verpassen, bevor es in die harte Praxis geht?

Stellt Fragen, probiert Neues aus und nutzt die Chance, von der Expertise der Dozenten zu profitieren! Denn irgendwann müsst ihr auf eigenen Füßen stehen und nach exakten Vorgaben arbeiten können. Das ist euer Job – Illustration ist keine Kunst, sondern ein Handwerk. Es geht darum, die Wünsche des Kunden umzusetzen. Natürlich kann man auch an künstlerischen Projekten arbeiten, aber in erster Linie ist man ein Dienstleister.

Wir bedanken uns für das Interview und wünschen Eva weiterhin viel Erfolg!



Evas Website: www.eva-burckhardt.com

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