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Interview

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Interview mit Ralf Butschkow
Bücher, Bücher, Bücher!

Im Interview vorgestellt: Ralf Butschkow – Illustrator, Vater vieler Kinderbuchfiguren und Dozent für Darstellungstechniken. Wir trafen ihn in seinem Atelier im beeindruckenden Oscar Niemeyer-Bau und sprachen über Wege zur Illustration, über Figuren als jahrelange Begleiter, über die Zukunft des Kinderbuchs, über Fähigkeiten eines Illustrators und volle Auftragsbücher.

Wie bist du Illustrator geworden?

Nach dem Abitur habe ich für ein Jahr am Lette-Verein ein Grafik-Design-Studium begonnen, bin dann aber an die Hochschule der Künste Berlin gewechselt, um dort Visuelle Kommunikation zu studieren. Während des Studiums an der HdK haben dann zwei Dinge dafür gesorgt, mich auf die Fährte der Illustration zu bringen: Im dritten Semester begann ich neben dem Studium für eine Berliner Werbeagentur zu jobben, wo ich die Realität des Berufs kennenlernen durfte. Eine Erfahrung, die sehr wichtig für mich war und die tägliches Scribbeln und Zeichnen mit sich brachte, da damals noch keine Computertechnik Einzug gehalten hatte. Und ich landete in der Klasse von Prof. Jürgen Spohn, der Plakat, Bilderbuch und Illustration lehrte. Eine Projektausstellung lockte einen Kinderbuchverlag an, es folgten eigene Aufträge, parallel dazu hatte ich die freiberufliche Agenturtätigkeit.

Woran arbeitest du gerade?

Bücher, Bücher, Bücher, für verschiedene Verlage. Und an einem Auftrag für die Deutsche Post AG. Parallel bin ich mit meinem regelmäßigen Cartoon für eine Monatszeitschrift der IHK beschäftigt. Ein anderes Projekt dreht sich um Konzept und Gestaltung einer Ausstellung. In Summe arbeite ich jedoch zu neunzig Prozent an Buchillustrationen.

Figuren zu erfinden und in Geschichten zu verwickeln, zählt zu den zentralen Aufgaben eines Illustrators. Was macht eine gute Figur aus?

Eine gute Figur ist charakteristisch im Strich und in der Erscheinung. Darüber hinaus braucht sie aber auch selbst einen Charakter und eine positive Ausstrahlung. Das ist vor allem wichtig bei der Übertragung in andere Medien.

Du wurdest bereits mit diversen Buchreihen beauftragt, hast Figuren geschaffen, denen in Serie "ein langes Leben" beschieden ist. Fluch oder Segen für einen Illustrator?

Ein Segen – unbedingt! Der Buchmarkt ist schnelllebig und verlangt ständig nach Neuem. Neuerscheinungen erzeugen höheres Interesse und somit mehr Umsätze als die Backlist, also die außerhalb der Neuerscheinungsliste weiterhin lieferbaren Titel. Eine lebendige Serie schafft Nachfrage nach den Vorgängertiteln. Da Autor und Illustrator am Verkauf prozentual beteiligt sind, bedeutet das zusätzliche Einnahmen neben dem täglichen Tun. Das ist ein wichtiges Standbein. Die Detektivfigur "Kwiatkowski" gibt es zum Beispiel seit 20 Jahren, gerade entsteht Band 24.

In der Berufe-Reihe des Carlsen Verlags illustrierst du unterschiedliche Berufe. Müsstest du in wenigen Bildern deinen eigenen Beruf darstellen, was bekämen wir zu sehen?

Gute Frage. Vielleicht sähe das so aus: Die Figur "Ralf Butschkow" – über den Zeichentisch gebeugt und zwischen ihm, Computer und Teeküche hin und her pendelnd, Musik hörend, auch mal fluchend wenn´s nichts wird ... (lacht).

Wie stellst du dir den Beruf des Illustrators in 20 Jahren vor? Wird sich die Bildwelt verändern?

Dank neuer elektronischer Medien ist die Buchwelt deutlich im Umbruch. Aber – illustrierte Bücher wird es immer geben. Das Bedürfnis, ein Buch physisch zu besitzen, wird nie ganz verschwinden. Die haptische Erfahrung beim Aufschlagen eines Buches kann es in digitaler Form nicht geben, vergleichbar vielleicht mit dem Auflegen einer Schallplatte – auch die galt mehrfach dem Tode geweiht.
Moderne Kinderbücher sind heute oft mit einem elektronischen Zusatznutzen ausgestattet. Zum Beispiel ein mitgelieferter Tip-Toy Stift ermöglicht audio-visuelles "Lesen". Oder zusätzliche Smartphone-Apps öffnen die Tür zu neuen Spielwelten. Nicht nur die Art und Weise, Bücher zu konsumieren, verändert sich, auch ganze Vertriebsstrukturen – hin zum Virtuellen und Digitalen.

Ein Illustrator fertigt zunächst Bilder zu bestehenden Texten. Wir drehen den Spieß einmal um: Konzept und Text kommen vom Illustrator – noch vor dem ersten Bild. Bist du so schon einmal an ein Projekt herangegangen und sind Kompetenzen über das Zeichnen hinaus beim Verlag willkommen?

Ja! Verlage sind in der Regel sehr daran interessiert, dass sich der illustrator konzeptionell einbringt. Vor allem beim Sachbuch ist das Wechselspiel zwischen Autor, Lektor und Zeichner von großer Bedeutung. Was ist wichtig, was will ich darstellen? Dann ist es gut, wenn die Räder ineinander greifen. Bei der Berufereihe für den Carlsen-Verlag bin ich nicht nur Bildautor, sondern schreibe auch die Texte selbst.

Wie sieht dein Joballtag aus? Wie viele Stunden arbeitest du täglich im Atelier? Entstehen alle Entwürfe hier oder sind Ort und Zeit dafür irrelevant?

Das ist sehr unterschiedlich und bei jedem Job anders. Wenn ich einen Cartoon mache, brauche ich erstmal Lesestoff, dann gehe ich Joggen, sortiere dabei meine Ideen, bevor ich an den Zeichentisch zurückkehre. Storyboards habe ich nicht selten komplett in der Kneipe gezeichnet – für mich ein Ort mit wunderbarer Arbeitsathmosphäre! Das heißt, mein Rezept lautet: manchmal Ruhe, manchmal gewollte Ablenkung.
Ich versuche, täglich acht Stunden zu arbeiten. Das ist ein angenehmes Quantum. Früher, in der Anfangszeit meiner Selbständigkeit, waren das deutlich mehr Stunden.

Ralf Butschkow ist Kinderbuchillustrator. Welches Bildthema für Erwachsene würde dich reizen?

Ich möchte auf jeden Fall weiterhin Kinderbücher machen! Aber es wäre sehr reizvoll, einmal den Strich zu ändern und mit den konventionellen Erwartungen an ein Kinderbuch zu brechen. Mein Strich wäre dann freier, skizzenhafter, experimenteller und – eben auch erwachsener!

Unvermeidlich – die Frage nach Vorbildern. Welche Figuren und Zeichner haben dich in deinem Leben beeinflusst?

Die Peanuts des amerikanischen Zeichners Charles M. Schulz, natürlich auch Asterix von Albert Uderzo, und Gaston aus der Feder von André Franquin. Nicht umsonst haben meine Kinderbuchfiguren einen leichten Comic-Charakter.

Du bist seit vielen Jahren auch als Dozent tätig. Was ist deiner Meinung nach unverzichtbarer Bestandteil einer guten Ausbildung?

Unverändert sehe ich die Bedeutung einer guten handwerklichen Grundausbildung. Der intensive Umgang mit Stift und Material, ein breites Spektrum an Darstellungstechniken sowie stilistische Vielfalt sind wichtige Elemente der Ausbildung.

Wir wünschen weiterhin viel Erfolg und bedanken uns für das Interview!

Interview: Tilo Schneider
Bilder: Ralf Butschkow

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