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Interview

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Interview mit Peter Graf
Hip Hop mit Marktbezug

Im Interview vorgestellt: der Verleger Peter Graf. Mit dem Walde + Graf Programm kam er von Zürich nach Berlin und betreut beim Metrolit Verlag vor allem die Graphic Novel Titel. Wir sprachen mit Peter Graf über die Kunst, Illustration in erfolgreiche Bücher zu verwandeln, über junge Zeichner, Marktchancen und die Illustratorenszene in Berlin.

Wie erklären Sie sich die steigende Nachfrage im Bereich Graphic Novel, die längst nicht mehr nur von Comic-Fans erzeugt wird?

Diesen Trend, auch wenn er noch nicht in vollem Maß im Buchhandel angekommen ist, verdanken wir vor allem einem Generationswechsel im Feuilleton. Illustrierten Büchern wird mehr Raum gegeben, Graphic Novels werden gern besprochen. Eine solche Buchbesprechung findet mehr Leser als ein Sachbuch.

Worin liegt für Sie der Reiz, Literatur und Kunst via Illustration miteinander zu verbinden?

Seit langem habe ich eine Affinität zu Illustration und Bildender Kunst. Es ist meine persönliche Vorliebe, Text und Bild in Buchform kunstvoll zu verknüpfen. Damit bin ich nicht der Erste, Bildgeschichten haben eine lange Tradition. Mich reizt jedoch die Herausforderung, das auf moderne Weise zu tun. Außerdem greife ich in meiner Arbeit auf meine Erfahrung im Verlegen von Fotografie-Büchern zurück. Und nicht zu vergessen: die physische Qualität eines Buches – für mich unverzichtbar, gerade in Zeiten von E-Book & Co.!

Gibt es in Berlin einen besonderen Nährboden für Comiczeichner und Illustratoren? Können Sie einen Vergleich zu anderen Metropolen ziehen?

In Berlin leben viele Illustratoren und Künstler. Vor allem der Anteil ausländischer Künstler ist wesentlich höher als in vergleichbaren deutschen Großstädten. Ebenso sitzen viele wichtige Verlage hier. Eine Besonderheit Berlins ist sicherlich das Aufeinandertreffen von im Osten sozialisierten Zeichnern auf eine nunmehr gesamtdeutsche Illustratorenszene. Daraus ist eine neue Generation erwachsen. Ihre Vertreter sind mittlerweile selbst als Lehrende tätig und geben ihren Stil und ihre Sicht auf die Illustration an den Nachwuchs weiter.

Sie verlegen bekannte und etablierte Zeichner wie Kitty Kahane und Henning Wagenbreth. Was würden Sie jungen Illustratoren mit auf den Weg geben für den Fall, dass sie eines Tages an Ihre Verlagstür klopfen?

Viele Nachwuchsillustratoren legen uns ihre Diplomarbeit vor. Hier sind tolle Arbeiten dabei, die allerdings aus der Natur der Sache heraus stark themen- und wenig marktbezogen sind. Ein Tipp ist also, sich frühzeitig mit der Arbeitsweise des Verlags vertraut zu machen, vorher das Gespräch zu suchen und das geplante Thema prüfen zu lassen. Jede Buchveröffentlichung ist mit einem wirtschaftlichen Risiko verbunden. Da lohnt es sich, vorher die Erfolgschancen von erfahrener Seite einschätzen
zu lassen.
Bei Einreichung eines Buchprojekts reicht zunächst ein überzeugendes Exposé mit grundlegenden Eckdaten wie Umfang, Format und Proben der Geschichte. Ein zu weit ausgearbeitetes Thema kann eher hinderlich sein. Viele Illustratoren haben Erfahrungen mit Einzelillustrationen und Bildstrecken im Editorial Bereich gesammelt, bevor sie sich an ein komplettes Buch wagen. Solche Arbeiten sind hilfreiche Referenzen beim Herantreten an den Verlag.

Woher kommen die Geschichten? Wie lässt sich abschätzen, ob eine Story Erfolg hat, wenn die Bandbreite von Science Fiction über Politik bis hin zu Historischem reicht?

Erfolgreich ist beispielsweise die Graphic Novel "17. Juni", gezeichnet von Kitty Kahane, weil sie ein Thema aufgreift, das viel Aufmerksamkeit erfährt, Bildgeschichte mit Zeitgeschichte verknüpft und somit nicht nur Comicfreunde erreicht. Ein weiteres Beispiel ist die deutsche Ausgabe von "Hip Hop Family Tree" des 31-jährigen
US-amerikanischen Comic-Künstlers Ed Piskor, die unser Verlag im Frühjahr 2014 vorstellen wird. Es ist ein sehr zielgruppenaffines "Sachbuch", weil es Musik und Comic auf geniale Weise verbindet. Es ist die Geschichte des Hip Hop – zwischen zwei Buchdeckel gepackt.

Sie waren Jurymitglied beim Stipendiumswettbewerb der Akademie für Illustration und Design Berlin. Sehen Sie weitere Anknüpfungspunkte zwischen Ihrem Verlag und der Nachwuchsausbildung im Bereich Illustration?

Wir haben vielfältigen Kontakt zur Ausbildung im Bereich Illustration, einige unserer Autoren sind auch in der Lehre tätig. Ich kann mir für 2014 gut vorstellen, eine spannende Neuerscheinung unseres Verlags im Rahmen der Ausstellungsreihe "Featured Artists" an der AID Berlin zu präsentieren. Es ist für Studenten sicher interessant, mit dem Autor oder der Autorin direkt ins Gespräch zu kommen, um mehr über den Entstehungsprozess einer Graphic Novel – von der Idee bis zum fertigen Buch – zu erfahren.

Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit und bedanken uns für das Interview!

Interview: Tilo Schneider
Foto: Peter Graf
Bilder: Metrolit Verlag

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