Mach was aus deinem Talent! Bewirb dich jetzt ...

Interview

AID Berlin Interview Moga MoboAID Berlin Interview Moga MoboAID Berlin Interview Moga MoboAID Berlin Interview Moga MoboAID Berlin Interview Moga MoboAID Berlin Interview Moga MoboAID Berlin Interview Moga MoboAID Berlin Interview Moga MoboAID Berlin Interview Moga Mobo

Interview mit Moga Mobo
Comic muss raus!

Moga Mobo – was 1994 als Umsonst-Comic-Magazin begann, gleicht heute einer weltumspannenden Plattform mit Ausstellungen, Workshops, internationalen Kooperationen und weit mehr als zwei Millionen gezeichneten, immer noch umsonst verteilten Magazinen.

Moga Mobo – das waren in den 20er Jahren japanische Hipster-Mädels und -Jungs (oder auf Slanglish: Modern Galls & Modern Boys), die leidenschaftlich gern lässige Klamotten trugen und wie verrückt Charleston tanzten. Dieser Hipster- Gruppe haben die drei Berliner Moga Mobos ihren Namen entliehen.

Im Interview zeichnen Jonas, Titus und Thomas ein Bild davon, wie sie es schaffen, ihrer Comic- Leidenschaft, ihrer Mission "Comix für alle!" und damit sich selbst treu zu bleiben.

(Foto: Moga Mobo)

Wie muss man sich die Geburtsstunde von Moga Mobo vorstellen?

Jonas: Titus und ich haben beide im Stuttgarter Raum studiert, Titus an der Kunstakademie Stuttgart, ich an der Ludwigsburger Filmakademie. Bei einem Comic- Stammtisch haben wir uns schließlich kennen gelernt. Thomas, der aus der Gegend stammt und ebenfalls Comic-Zeichner war, haben wir auf einer unserer Partys kennengelernt und ins Boot geholt.

Titus: Die Ursprungsidee war, ein Comic-Magazin zu gründen, durch das wir und andere junge Zeichner ihre Geschichten unabhängig und in relativ hoher Auflage veröffentlichen können. Ein großer Verlag würde von einem Newcomer nur 2000 oder 3000 Stück veröffentlichen. Unsere Auflage beträgt regelmäßig 20.000 Stück. Comic war und ist ein Massenmedium. Comic-Zeichner und Illustratoren sitzen, zumindest nach unserer Vorstellung, nicht zu Hause im stillen Kämmerlein. Comic muss gedruckt werden, Comic muss raus!

Eure Magazine liegen auch nach hundert Ausgaben und einer Auflage von zwei Millionen Stück kostenlos in Kneipen und Cafés aus. Wie kam es dazu und wie finanziert Ihr Euch?

Titus: Als wir anfingen, war der Comic-Begriff stark auf die Zielgruppe Kinder und auf lustige Inhalte festgelegt. Erwachsenen-Comics waren in Buchläden und an Kiosken wenig gefragt. Also beschlossen wir, uns rein über Anzeigen, die wir für unsere Kunden selbst gestalten, zu finanzieren und in Kneipen und Cafés zu gehen. Dort vermuteten wir Leute, die gern auch mal Comics ohne Donald Duck lesen wollten. So ist es bis heute geblieben, auch wenn die Offenheit gegenüber Comics mit anderen Inhalten für andere Zielgruppen inzwischen auch in Deutschland zugenommen hat.

Stichwort: Graphic Novels …

Jonas: Das ist für uns nur ein technischer Begriff, eine Spielart von Comics, die nur in Deutschland so genannt wird. In Frankreich, Italien oder Amerika sagt kein Mensch Graphic Novels. Dort gelten die Überbegriffe wie Bande Dessinée, Fumetti oder Comics sowohl für Magazine für 6-Jährige als auch für 300-seitige, gezeichnete Dramolette für Erwachsene. Die Unterscheidung in U- und E-Kultur ist leider typisch deutsch und wird vom Buchhändler bis zum Feuilleton akzeptiert.

Thomas: Wenn ich hier zu Buchhändlern gehe und eine Comic-Ausgabe von Goethes Faust anbiete, bestellt das keiner, weil die Händler denken: Das ist sicher so eine lustige Knollennasen-Geschichte. Aus Sicht des Marketings funktioniert der Begriff Graphic Novel momentan einfach besser. Aber das ändert sich hoffentlich noch.

Auf Eurer Website prangt über allem die Zeile "Comix für alle". Ist das Eure Mission, Comics in die Welt bringen?

Titus: Wir wollten von Anfang an möglichst viele Leute erreichen und sagen: Leute, schaut mal, was es alles gibt. Wir stecken uns die zwei Millionen Auflage unserer Magazine nicht wie eine Feder an den Hut. Wir haben in den vergangenen Jahren die Plattform Moga Mobo um Ausstellungen und Workshops, ein Blog und Projekte mit Kollegen in Japan oder auf Kuba erweitert. Nach wie vor haben wir alle unsere eigenen Jobs, mit denen wir unseren Lebensunterhalt sichern, genauso wie gemeinsame Projekte wie die Website für Kinder der Deutschen Bahn. Aber da gibt es immer noch unseren kleinen "Garten" der Moga Mobo-Comics, in dem wir "anpflanzen" was uns schmeckt und den wir hüten und hegen.

Was verbindet Euch mit Kollegen aus anderen Ländern?

Thomas: An erster Stelle die Leidenschaft fürs Zeichnen. Aber auch das Leben als Freelancer, die Unsicherheit, das Unstete. Es gibt nur wenige die als Comic-Zeichner reich weden. Das ist meißstens eher Fiat Panda statt Rolls Royce. Dafür haben wir aber dieses Lebensgefühl, unseren Traumberuf auszuüben.

Was muss ich als künftiger Illustrator und Comic-Zeichner mitbringen?

Titus: Zum einen ist es das, was man im besten Sinne als Berufung bezeichnet. Dann gehört ein ausgeprägter Gestaltungsdrang dazu. Das ist mehr als Spaß an der Sache zu haben. Da steckt sehr viel Schweiß drin. Und es gehört der Wille dazu, sein eigener Herr zu sein. Viele sehen nur: Wow, die haben ihr eigenes Atelier, können mittags auch mal eineinhalb Stunden Pause machen, haben bedruckte T-Shirts an und morgens auch mal verwuschelte Haare. Aber da gibt es auch die Nächte bis morgens um fünf, in den wir an einem neuen Heft sitzen. Das musst du einfach absolut wollen.

Wie wichtig ist es, als Zeichner seinen eigenen Stil zu finden?

Jonas: Das ist als Einzelkämpfer vielleicht wichtiger als für ein Team wie uns. Letztlich geht es ja immer darum, eine Marke zu schaffen. Bei Nike weiß man, dass man dort Sneakers und kein Vollkornbrot kaufen kann. Die Marke Moga Mobo steht über die Jahre für Vielfalt. Ich persönlich schätze es, wenn ich nicht immer in demselben Stil arbeiten und bis zum Lebensende nicht nur an einer Figur zeichnen muss. Ich könnte eine Figur nach 40 Seiten schon nicht mehr sehen und würde sie in jedem Fall am Ende sterben lassen.

Wie kommt Ihr an Jobs?

Titus: Als ich in Berlin total neu war, habe ich das Agentur-Telefonbuch durchtelefoniert, bin mit meiner Mappe angetanzt und habe mich vorgestellt. Irgendwann habe ich dann durch bestehende Jobs wieder andere bekommen.

Jonas: Es gibt oft den Vorwurf: Das funktioniert ja nur mit Vitamin B. Dann sag ich: Ja, genau! Für die einen heißt es Vitamin B, für die anderen Netzwerk. Von zwei gleich guten Zeichnern entscheidest du dich als Auftraggeber immer für den, den du kennst.

Ein Studium könnte der Beginn eines Netzwerks sein. Was war aus heutiger Sicht das Wichtigste an Eurem Studium?

Titus: Die direkte Begegnung mit Gleichgesinnten. Die Verabredung, nachmittags gemeinsam in den Zoo zu gehen und einen Tiger zu zeichnen, das gemeinsame Erleben. Das Beste, was eine Akademie oder Hochschule leisten kann ist, eine Spielwiese zu erschaffen, die dieses Pingpong-Spiel zwischen den Studenten in Gang setzt, in dem sie sich gemeinsam positiv beeinflussen.

Thomas: Früher war ich der "Alien" in der Klasse, der zeichnen konnte. Dann traf ich im Studium Leute, die auch die besten Zeichner der Klasse waren. Ich musste mich zum ersten Mal dem Markt stellen und mich verorten: Wo bin ich? Wo stehe ich? Das ist wichtig, um sich seiner persönlichen Stärken bewusst zu werden.

Interview: Jörg Kanzler

www.mogamobo.com

zurück