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Interview

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Interview mit Matthias Daenschel
Kein Trick ohne Handwerk

Im Interview vorgestellt: Matthias Daenschel – Trickfilmproduzent, Animator, Zeichner und dreifacher Familienvater. Wir sprachen mit ihm über Berufswege von der Bühne zum Film und zur Bühne zurück, über beruflichen Erfolg mit mehreren Standbeinen, aktuelle Projekte und die Kunst, als Ein-Mann-Unternehmen am Markt mitzumischen.

Sie sind gelernter Theatermaler, haben an der Schaubühne Berlin und an der Wiener Staatsoper gearbeitet. Wie kam es zum Studium der Animation?

Als Theatermaler war ich zwar künstlerisch tätig, doch blieb ich Ausführender der Ideen anderer, vorgegeben von Regisseur und Szenograf. Irgendwann hatte ich vom "Anstreichen" genug und habe mich an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam beworben – mit Erfolg!

Was unterscheidet die Theaterarbeit von der an einer Filmproduktion?

Am Theater trifft man zwei Sorten von Menschen: diejenigen, die künstlerisch arbeiten und diejenigen, die deren Ideen und Entwürfe dann umsetzen. Die einen sind zumeist ziemlich "verrückt" im künstlerischen Sinn, die anderen sind eher "Angestellte". Sie sind z.B. ziemlich entspannt, wenn Wartezeiten entstehen. Mir lag das nicht so – mit Leerlaufzeiten bin ich nicht zurechtgekommen. Ich muss immer was zu tun haben.
Beim Trickfilm ist das anders. Das Geschäft ist dynamischer, die Beteiligten gehen spielerischer ran und nehmen sich weniger ernst. Zum Abgabetermin muss natürlich alles fertig sein – beim Trickfilm und im Theater.

Worin liegt für Sie der Reiz, selbständig zu arbeiten?

Ein wesentlicher Vorteil liegt in der freien Zeiteinteilung. Sicher muss ich Termine einhalten, aber bei guter Selbstorganisation bleibt man doch sein eigener Herr, ich mag diese Freiheit. Eine weitere Freiheit ist, nicht weisungsgebunden zu arbeiten, unter Umständen auch mal ein Projekt abzulehnen, das mir nicht "schmeckt". Letzteres muss man sich allerdings auch leisten können...

Wie kommen Sie zu Kunden?

Am Anfang meiner Tätigkeit stand jede Menge Akquise.
Ich habe mit meinem Portfolio an die Türen vieler Trickfilmstudios geklopft und meine Dienste angeboten. Inzwischen bin ich in ein Netzwerk aus Studios, Werbeagenturen und Kollegen aus der Branche eingebunden. Neben der Auftragsvermittlung "auf Empfehlung" ist meine Website ein wichtiges Akquisetool.

Wie hoch ist der Anteil Werbefilm im Vergleich zu Aufträgen im Kulturbereich und gibt es weitere Standbeine Ihrer Tätigkeit?

Der Anteil an Werbung gegenüber Kultur liegt bei etwa 60 zu 40 Prozent. Aber das ist natürlich von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Projekte im Bereich kommerzieller Werbung spielen naturgemäß mehr Geld ein.
Andererseits ist ein Kinofilm ein viel längerfristiger Job. Ein Beispiel: Bei der Produktion des Kinofilms "Alois Nebel – Leben nach Fahrplan" war ich ein Jahr lang als Supervisor der Animatoren beschäftigt. Der Film hat den Europäischen Filmpreis gewonnen, bevor er Ende 2013 auch in die deutschen Kinos kam.
Es gibt noch ein drittes Standbein, das mir viel Spaß macht: meine Tätigkeit als Workshopleiter. Ich gebe regelmäßig Animationsworkshops für Stiftungen und Institute, arbeite sowohl mit Erwachsenen als auch mit Kindern und Jugendlichen zusammen. Neben vielen, kleinen Trickfilmen habe ich zum Beispiel mit Stipendiaten der Roland-Berger-Stiftung animierte Projektionen für "Die Konferenz der Tiere" an der Dresdner Semper-Oper entwickelt – für mich auch eine schöne "Rückkehr"
zur Bühne.
Apropos Bühne – gerade habe ich zum Theaterstück "Tschick" animierte Projektionen beigesteuert. Auch hier stand für mich nicht das Honorar im Vordergrund, sondern das tolle Projekt!

Der Name Matthias Daenschel steht nicht nur für Trickfilm. Mit Illustrationen, Malerei und Storyboards sind Sie sehr breit aufgestellt. Verlangt der Markt eher Spezialisten oder Allrounder? Welche Strategie verfolgt Ihr Unternehmen?

Am Anfang habe ich häufig Backgrounds für Trickfilme gemacht. Dies war für mich die Fortsetzung der Theatermalerei mit anderen Mitteln. Heute umfasst mein Leistungsspektrum ebenso Animationsregie, Supervising und das Anfertigen von Storyboards und ich arbeite mit Animatoren, Komponisten, Character-Designern und anderen Spezialisten zusammen. Allrounder zu sein hat den Vorteil, auf Marktveränderungen reagieren zu können. So werden zum Beispiel immer mehr Kinoproduktionen nach Fernost verlagert, um Kosten bei den ausführenden Tätigkeiten zu sparen. In Deutschland werden hingegen eher Jobs im Bereich der Pre-Production angeboten, da muss man flexibel bleiben.

Wie stark schätzen Ihre Kunden das Zeichenhandwerk? Welchen Stellenwert hat die Handzeichnung im Produktionsprozess?

Gerade für mein Zeichenhandwerk werde ich eingekauft. Der eigene Strich hat eine große Bedeutung. Und oft staunen Werbeagenturen, die einen Trickfilm bei mir anfragen, dass ich nicht nur die Zeichnungen liefere, sondern das gesamte Paket von der ersten Skizze bis zum fertigen Film anbieten kann.

Ihre Inspirationsquellen bei Projektbeginn?

Das ist projektabhängig. Zufälle und Alltagsbeobachtungen können eine Rolle spielen. In jedem Fall hilft es, viele Comics und Filme anzuschauen, regelmäßig in Ausstellungen und auf Festivals zu gehen.

Woran arbeiten Sie im Moment?

An einem spannenden Projekt für das Deutsche Rote Kreuz. Ein Trickfilm soll die Tätigkeitsfelder des Roten Kreuzes erklären und um neue Mitglieder werben. Hierfür mische ich eine Cut-out Animation, also einzeln gezeichnete Bilder, die bewegt werden, mit einer 3D Computeranimation. Damit gelingt es, auf einfache Weise eine breite Zielgruppe anzusprechen.

Zum Schluss noch die Frage: Wie schaffen Sie es, Job und Familie unter einen Hut zu bringen, immerhin sind Sie Vater von drei Kindern?

Das ist nicht immer einfach, aber lösbar. Mit gutem Zeitmanagement, kurzen Wegen, auch mal einer Nachtschicht und sorgfältigen Absprachen. Bei zwei Selbständigen in der Familie erfordert das viel Feinabstimmung. Und doch: Obwohl ich mich manchmal nach mehr Planungssicherheit sehne, möchte ich nicht zurück ins Angestelltendasein wechseln!

Wir wünschen weiterhin viel Erfolg und bedanken uns für das Interview!

Interview: Tilo Schneider
Bilder: Matthias Daenschel

www.matthiasdaenschel.de

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