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Interview

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Interview mit Jörn Schwarz
Im Namen der Illustration

Die Bergstraße mitten in Berlin-Mitte: Hier hat 2 agenten, eine der wichtigsten Agenturen für Illustratoren Deutschlands, ihren Sitz. Aus führenden Werbeagenturen kommend gründeten Jörn Schwarz und seine Geschäftspartnerin Andrea Wendt 2006 die Agentur. Heute vertritt 2 agenten mehr als 30 herausragende, nationale und internationale Illustratorinnen und Illustratoren. Im Interview gibt Jörn Schwarz Einblick in seine Tätigkeit als Agent im Auftrag der Illustration.

2 agenten wurde 2006 gegründet. In welcher Mission sind Sie seitdem unterwegs?

Wir erkannten damals, dass es in Deutschland im Vergleich zu den USA oder England verhältnismäßig wenige Agenturen für Illustratoren gibt. Gerade in Berlin lag das kreative Potenzial quasi auf der Straße. Wir mussten die Leute nur ansprechen, um ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit zu aktivieren. Anfangs hatten wir nur wenige Illustratoren unter Vertrag, die wir von früher kannten, konnten unser Portfolio aber schnell erweitern. Heute sind wir stolz auf unser erlesenes Portfolio.

Wie viele Agenturen Ihrer Art gibt es in Deutschland?

Es ist eher ungewöhnlich, sich als Agentur auf den Illustrationsbereich zu spezialisieren. Einige Agenturen repräsentieren sowohl Fotografen als auch Illustratoren. Wir hingegen sind davon überzeugt, dass Illustration in Konkurrenz zur Fotografie treten sollte. Aus diesem Grund vertreten wir nur Illustratorinnen und Illustratoren.

Was kann ein Illustrator besser als ein Fotograf?

Mit Illustration kann man ganz andere Welten mit Ideen jenseits der Realität erschaffen. Der Illustration stehen mehr Möglichkeiten für eine eindeutigere Handschrift offen. Ich denke die Zuordnung einer Illustration zu ihrem Urheber, zum Beispiel einem Illustrators wie Olaf Hajek, wird dem Betrachter leichter fallen, als ein Foto zu seinem entsprechenden Fotografen.

Wie sieht Ihre Dienstleistung genau aus?

Von der Darstellung des Portfolios über die Akquise bis zur Korrespondenz – wir übernehmen alle Dienstleistungen bis zu der Stelle, an der sich ein Kunde für einen Illustrator entschieden hat. Ins Briefing zwischen Kunde und Illustrator Mischen wir uns nicht ein, auch nicht in die künstlerische Arbeit. Danach übernehmen wir wieder die Rechnungslegung.

Eine Ihrer zentralen Aufgaben ist die Akquise. Wie gut sind Illustratoren in der Selbstdarstellung?

Wir haben festgestellt, dass es zwar ein paar "Rampensäue" unter den Illustratoren gibt. Vielen ist das Klinkenputzen aber unangenehm. Sich verkaufen zu können, ist nicht jedem in die Wiege gelegt. Insofern ist die Akquise für uns und unsere Illustratoren besonders wichtig.

Wie wichtig ist es aus Ihrer Sicht, dass angehende Illustratoren die Fähigkeit zur Selbstvermarktung schon im Studium lernen?

Das Wichtigste als Illustrator ist es, einen eigenen unverwechselbaren Stil zu entwickeln. Darauf sollten Illustratoren vor allem ihren Fokus legen, weil das der entscheidende Punkt ist, warum sie gebucht werden oder nicht.

Ab wie vielen Dienstjahren sollte sich ein Illustrator eine Agentur suchen?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Wir haben Leute, die frisch von der Akademie kommen und die ein beeindruckendes Portfolio an freien Arbeiten mitbringen. Die bauen wir langsam auf und bestücken sie auf unserer Website nach und nach mit Jobs namhafter Auftraggeber. Vielen Kunden ist es wichtig zu sehen, dass jemand schon für andere wichtige Projekte gearbeitet hat. Daran können sie ablesen, ob die Kunden-Illustratoren-Beziehung generell klappt, ob die Illustratorin oder der Illustrator überhaupt kompatibel ist.

Nehmen Sie momentan noch neue Illustratoren auf?

Unsere Standardantwort für neue Bewerber lautet: nein. Wobei wir uns eingereichte Mappen doch ab und zu ansehen. Es wäre fatal, eine "Perle" zu übersehen. Im Einzelfall machen wir also eine Ausnahme, wobei wir unser Portfolio eher ergänzen als mit Doubletten erweitern wollen. Wie gesagt, der eigene unverwechselbare Stil ist das Wichtigste. Wir haben nur Leute unter Vertrag, weil wir sie uneingeschränkt super finden. Wir verpflichten niemanden, nur weil der Markt ihn braucht. Das geschieht vielleicht eher instinktiv als bewusst, wie im Fall einer unserer neueren Illustratorinnen Katrin Rodegast, die viel mit Papier arbeitet – mittlerweile ein Trend, den wir früh bedienen konnten.

Wie bleiben Sie am Puls der Zeit?

Wir arbeiten für viele Magazine und sehen automatisch, was gefragt ist. Auch durch Bewerbungen können wir früh Trends erkennen. Das war der Fall bei einer unserer Illustratorinnen, die ihre Arbeiten näht.

In welcher Form akzeptieren Sie Bewerbungen?

Zuerst immer in elektronischer Form als pdf-Datei oder Link auf die eigene Website.

Was genau spricht Sie an, um zu entscheiden: Das ist ein Kandidat für uns.

Eigene Handschrift, zeichnerisches Können und Verständnis und Gespüre für den Zeitgeist. Wenn das stimmt, dann laden wir jemanden ein. Anschließend versuchen wir im Gespräch zu ergründen, ob wir dieselbe Sprache sprechen und er oder sie verlässlich ist. Illustratoren sind immer auch Dienstleister, verkannte Genies haben damit häufig ihre Probleme. Schul- oder Studien-Abschluss spielen für uns keine Rolle.

Welche weiteren inhaltlichen Kriterien legen Sie an Ihre Bewerber an?

Wir legen Wert auf eine eher künstlerische Ausrichtung, die werbekompatibel ist. Auch für einen Illustrator ist es letztlich lukrativer, wenn er für die Werbung arbeitet.

Was passiert, wenn Sie jemanden nur selten vermitteln können?

Wenn wir das erkennen, haben wir die Möglichkeit, ihn etwas weiter in den Vordergrund zu rücken. Aber wir führen keine Liste darüber, ob derjenige von dem, was wir ihm in diesem Monat erbracht haben, leben kann. Das können wir nicht leisten. Fast alle unsere Illustratoren haben neben uns aber noch Repräsentanten in anderen Ländern.

Wer sind ihre Ansprechpartner bei den potenziellen Auftraggebern Ihrer Illustratoren?

Bildredakteure bei Verlagen, Art Buyer bei Agenturen. Wenn in den Agenturen die Kreation mit am Tisch sitzt, sind wir umso glücklicher. Viele Kreative haben Illustration nicht auf dem Schirm, wenn es um die Umsetzung einer neuen Kampagne geht. Wenn sie diese zusätzliche Möglichkeit für die Zukunft im Hinterkopf behalten, dann haben wir schon viel erreicht.

Reagieren manche Kunden negativ auf die Tatsache, dass ein Illustrator von einer Agentur vertreten wird?

Das geschieht in der Regel nur bei Verlagen. Sie haben häufig weniger Geld zu vergeben als Werbeagenturen. Wir achten als Agentur aber auch darauf, dass sich ein Illustrator nicht unter Wert verkauft.

Angesichts eines festen Kreises an Illustratoren: Wie gewährleisten Sie, dass sich Ihre Illustratoren weiterentwickeln?

Das ist in erster Linie ihre eigene Aufgabe. Sollten wir das Gefühl haben, dass jemand stehen bleibt und deshalb nicht mehr gebucht wird, würden wir ihn aber auch darauf ansprechen.

Wie weit sind Sie in den sechs Jahren Ihres Bestehens mit Ihrer Mission vorangekommen?

Wir konnten schneller als erwartet unsere Agentur als Marke etablieren. 2 agenten steht heute für hochwertige Illustration. Wenn wir in Düsseldorf anrufen und sagen "Wir kommen nächste Woche um die neuen Arbeiten unserer Illustratoren zu präsentieren", dann halten sich wichtige Agenturen einen Termin frei, weil sie gespannt sind auf neue Arbeiten unserer Illustratoren. Insofern ist es uns auch gelungen, das Thema Illustration bei vielen Kunden fester zu verankern.

Interview: Jörg Kanzler
Bilder: 2 agenten

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