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Interview

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Im Interview mit Denis Laubert
Virtuell – und trotzdem näher dran

Denis Laubert ist Kommunikationsdesigner, Dozent und Gründer von studio formfrei. Wir sprachen mit ihm über neue Erfahrungen und Chancen im Job und im Unterricht in Zeiten der Pandemie.

Im April startet das Sommersemester an der Akademie, welche Projekte erwarten die Studierenden?

Jede Menge Spannendes im Fach Motiondesign: Es gibt ein Stop-Motion-Projekt zum Thema Lieblingsrezept, um sich in After Effects zu üben. Zwei weitere Aufgaben werden ein animierter Character sowie eine kinetische Typografie zum Thema Klimaschutz sein.

Du bist Spezialist für Motiondesign und 3D Visualisierung. Welchen Stellenwert haben bewegte Bilder und virtuelle Räume heute in der Wirtschaft?

Der Bedarf an Motiondesign und 3D Visualisierung ist stetig wachsend und nicht zu unterschätzen. Ein Beispiel dafür sind Messen als idealer Nährboden innovativer Darstellungsformen neben klassischer Kommunikation mittels Flyer, Broschüren etc. Die sogenannte User Experience erzielt man heute mit Technologien wie Augmented Reality und Virtual Reality. Ein konkretes Beispiel, das ich selbst auf der ILA – Internationlen Luft- und Raumfahrtmesse Berlin – erleben durfte: Ein französischer Flugzeughersteller setzt heute VR-Brillen, die früher eher militärisch genutzt wurden, nun in der zivilen Fertigung zur Produktionsüberwachung ein. Flugzeugmonteure mit VR-Brille, das ist schon faszinierend.

Das Virtuelle ist coronabedingt längst fester Bestandteil der Lehre geworden. Was sind deine Erfahrungen damit? Gibt es Bereiche, wo die Online Methodik sogar im Vorteil ist gegenüber dem Präsenzunterricht?

Bestimmte Bereiche meiner Lehre funktionieren besser als vor Ort im Unterrichtsraum. Ich kann nur für die Programmlehre sprechen, aber da ist es sehr praktisch. Wir geben uns gegenseitig den Bildschirm frei, ich kann direkt auf Probleme eingehen, die wir dann gemeinsam erörtern. Ich habe schon im letzten Semester, das durch die diverse Lockdowns geprägt war, positive Rückmeldung von den Studierenden erhalten. Unsere Arbeitsweise hat sich geändert, mit dem Onlineunterricht sind die Studierenden viel dichter am Projekt dran.

Wie schaffst du "Nähe" im Online Unterricht und die Verbindung zu den Studierenden, wenn der Kontakt mal abzureißen droht?

Mein Rezept ist, mit viel Empathie und Witz dabei zu sein. Wenn Probleme aufkommen, lass ich diese erstmal so stehen und versuche die Studierenden auf anderem Wege wieder zurückzuholen.

Wie haben sich die Jobs in deiner Agentur seit Corona verändert?

Grundlegend kann man schon von einer starken Veränderung sprechen. Obwohl wir eine gute Auftragslage haben, ist die gewohnte Sicherheit auf Seiten der Kunden weg. Zusagen können nicht mehr gehalten werden, selbst wenn sie vertraglich fixiert sind. Die Art der Jobs hat sich eigentlich nicht verändert, ebenso wenig die Bedürfnisse der Kunden. Immerhin – wir haben einen neuen Kunden aus der Pharmaindustrie im Bereich Werbung gewonnen.

Welche langfristigen Veränderungen siehst du daraus folgend für die Kreativwirtschaft?

Ich sehe schwerwiegende Veränderungen. Viele kleine Unternehmer haben bereits aufgegeben. Viele Kreative hatten schon vor Corona mit Preisdumping zu kämpfen und kaum Rücklagen bilden können. Nun geht es an die letzten Ersparnisse. Interessanterweise steigt gerade die Nachfrage für Agenturen, weil weniger Freelancer am Markt sind, die man früher preiswert einkaufen konnte.
Recruiter suchen händeringend um Werbefachleute, der Markt wird sich über die Jahre weiter ausdünnen. Hinzu kommt, dass Coronahilfen als sogenannte Krisengelder eher einen faden Beigeschmack haben. Viele nehmen sie lieber nicht in Anspruch, da sich Angst vor Rückzahlung und Versteuerung breit macht. Ein ausgedünnter Markt in der Kreativwirtschaft stellt jedoch auch eine große Chance für neue Absolventen dar! Ein Nachholbedarf seitens der Unternehmen wird kommen, junge Designer sind dann gut aufgestellt.

Welchen Studieninhalten kommt nach Corona noch mehr Bedeutung zu?

Ein Beispiel für o.g. Nachholbedarf der Unternehmen ist das Thema Webshop. Viele Firmen rüsten sich für eine Zukunft, in der möglicherweise der Einzelhandel wieder von Schließungen betroffen sein wird. Wenn es noch mal passiert, wird online weiter verkauft. Neue Verkaufsformen werden ausgebaut. Themen wie UX/UI und Augmented Reality/Virtual Reality, verpackt in ansprechende Bildwelten, sehe ich als wichtige Studieninhalte.

Was würdest du zukünftigen Illustrationsdesigner*innen mit auf den Weg geben?

Verlasst euch auf das, was ihr gelernt habt und verkauft euch niemals unter Wert!

Wie sieht ein Tag im studio formfrei aus?

Sehr entspannt. Ein regulärer Tag beginnt mit einem Kaffee für mich und frischem Futter für unseren Papagei – dem heimlichen CEO of Happiness. Dann schaue ich meine Mails durch und wende mich anstehenden Projekte zu, mal mit, mal ohne Ablenkung drumherum. Es ist ein lockerer Tagesablauf, außer natürlich, es muss etwas dringend fertig werden.

Vielen Dank Denis, für das Interview und weiterhin viel Erfolg mit studio formfrei!

Interview: Tilo Schneider
Bilder: Denis Laubert

Mehr Infos über Denis, seine Arbeit und seine Werbeagentur gibt es auf der Webseite von studio formfrei.

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