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Interview

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Interview mit Katja Spitzer
Der Stil kommt von selbst

Illustratorin Katja Spitzer ist Teil des Berliner Ateliers für Illustration "Petit 4". Im Interview spricht sie über den eigenen Stil, den ersten Job und ihre
Rolle als künftige Dozentin an der AID Berlin. Zur "Langen Nacht der Illustration" am 31. August 2012 
öffnen Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen ihr Atelier für Besucher.

Frau Spitzer, woran merke ich, dass ich Illustration als Studienfach erwägen sollte?

Wenn Sie gern gestalten und sich mit Freude in Bildern ausdrücken, nicht mit dem Lebensstandard eines Zahnarztes rechnen und sich der Herausforderungen als Freiberufler bewusst sind – dann ist Illustration ein tolles Studium.

Sie werden an der AID Berlin unterrichten. Was ist geplant?

Zunächst mache ich einen Workshop mit Studenten aus dem zweiten Semester. Eine Aufgabe wird sein, sich kleine Bildergeschichten mit einem Spannungsbogen und einer überraschenden Auflösung auszudenken. Ich fände es schön, wenn die Studenten am Ende eine eigene kleine Geschichte in den Händen hielten.

Sie haben in Halle Kunstgeschichte studiert und ein Studium der Illustration in Leipzig und Luzern angeschlossen. Wie kam dieser Weg zustande?

Während meines Kunstgeschichte-Studiums hab ich gemerkt, wie wichtig es mir ist, selbst zu zeichnen. In einem einjährigen Abendkurs habe ich mich auf das Studium der Illustration vorbereitet und wurde dann in Leipzig angenommen.

Woher rührt Ihr Interesse für Illustration?

Ich bin in der DDR aufgewachsen. Dort wurde großer Wert auf Buchgestaltung und natürlich auch auf Illustration gelegt, z.B. in Kinderbüchern. Illustratoren wie Hans Ticha, Werner Klemke oder Volker Pfüller waren mir von klein auf ein Begriff. Später habe ich in Leipzig sogar noch ein Jahr bei Volker Pfüller studiert.

Wie haben Sie Ihre ersten Jobs bekommen?

Über ein Praktikum konnte ich erste Kontakte schließen und mich bei Kunden vorstellen. Ich habe meine Kontakte gesammelt, Newsletter oder pdf-Dateien an potenzielle Kunden verschickt, und bekam dann erste Aufträge.

Welche Rolle spielt die Mappe?

Wenn die Leute keine Vorstellung davon haben, was man macht, wird man ja nicht bemerkt. Daher sollte man schon etwas Aufwand betreiben, um eine Mappe oder ein Portfolio zu erstellen. Es sollten die Arbeiten enthalten sein, die am besten den eigenen Stil zeigen und mit denen man tatsächlich für den Kunden tätig werden möchte. Sich nur mit möglichst vielen marktgängigen Arbeiten zu bewerben, macht schnell austauschbar und einen selbst auch nicht glücklich.

Wie haben Sie die Entwicklung Ihres eigenen Stils erlebt?

Meiner Erfahrung nach entwickelt sich ein eigener Stil von selbst, indem man arbeitet. Nur nicht zu früh einschränken. Gerade am Anfang ist es wichtig, viel auszuprobieren und mit verschiedenen Techniken zu experimentieren. Nach und nach wird man dann sicherer.

Wie beschreiben Sie Ihren Stil?

Ich arbeite gern naiv und abstrahiert, nicht naturalistisch genau, meist mit nur zwei bis drei Farben. Mich interessiert die Übertreibung, Menschen und Tiere zeichne ich gern etwas schrullig. Weniger interessiert mich Perfektion, die kann sehr schnell langweilig sein.

Wonach wählen Sie Ihre Projekte aus?

Der Kunde tritt ja meist schon mit einem bestimmten Thema an mich heran. Zum Glück kann ich mich für viele Themen begeistern. Ich mag es, mich beim Illustrieren für ein Jugendbuch in die Gedanken eines 12-jährigen Mädchens zu vertiefen. Oder für eine Zeitschrift Themen wie Zahntourismus in Osteuropa oder auch Cellulite mit meinen Illustrationen attraktiv zu machen.

Wie gefragt ist Illustration in Deutschland?

Im Buchbereich gibt es seit einigen Jahren eine erhöhte Nachfrage, auch für das Erwachsenen-Buch. Nachdem sich illustrierte Kochbücher super verkauft haben, trauen sich immer mehr Verlage bei Belletristik und Sachbuch mit Illustrationen zu arbeiten. Auch in den Zeitschriften sieht man in den letzten Jahren immer häufiger Illustrationen. Und Graphic Novels kennt man ebenfalls endlich in Deutschland...

Was antworten Sie, wenn ein Student fragt: Kann ich von Illustration leben?

Als Selbstständiger braucht man in jedem Bereich einen langen Atem. Es gehört auch Glück dazu, aber vor allem steckt viel Arbeit dahinter. Neben meiner künstlerischen Arbeit muss ich etwa ein Drittel meiner Zeit für Akquise und Kundenpflege einplanen. Ich würde den Studenten empfehlen, sich mit möglichst vielen Illustratoren zu unterhalten. Eine gute Gelegenheit dafür sind Ausstellungseröffnungen oder Buchmessen.

Angenommen, eine Tageszeitung tritt mit dem Wunsch nach einer Illustration an Sie heran. Wie viel Zeit vergeht vom Auftrag bis zum fertigen Produkt?

Zeitungen rufen allgemein relativ knapp an. Man hat dann zwei bis vier Tage Zeit. Für ein schwarz-weiß-Bild benötige ich ungefähr einen Tag – und das muss dann auch sitzen.

Interview: Jörg Kanzler

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