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Studentenportrait

Portrait
Saskia Rudies aus Berlin

Saskia Rudies zeichnet – nach eigener Aussage – seit sie als Kind einen Stift halten konnte. Auch gern mal nachts unter der Bettdecke. Ihre Eltern konnten sie nicht davon abhalten. Später studierte sie Kunsttherapie, merkte aber bald, dass ihre Interessen eher bei Philosophie, Feminismus, Kunst und Punkrock liegen. Heute verkündet ihre Website: Saskia Rudies – Illustration und Graphic Recording. 

Welche Vorstellungen vom Leben als Illustratorin hattest du zu Beginn des Studiums und wie siehst du deinen Beruf heute?

Ich hatte keine konkrete Vorstellung, aber ich wusste, ich ´muss´ Illustratorin werden. Ich sah das wie einen Punkt auf der Liste der wichtigsten Dinge in meinem Leben, den es abzuhaken galt. Heute habe ich ein klares Bild vom Beruf der Illustratorin. Vorallem ist mir klar geworden, was alles zum Job gehört. Die Bandbreite ist groß – auch Infografik und Graphic Recording gehören dazu – und unsere Welt ist voller Bilder! Allerdings gehören auch unbequeme Dinge zum Job wie Akquise und Rechnungen schreiben. Zum Glück wurde mir das bereits im Studium vermittelt.

Im Vorwort zu deiner Abschlussarbeit an der AID Berlin, einem Bilderbuch für Erwachsene zum Thema Jenseitsvorstellungen, steht: Bilder sind Zeichen der Seele, die nach außen drängen. Erkläre uns dein persönliches Verhältnis zu Bildern!

Bilder als Zeichen der Seele bedeutet, dass Bilder neben dem Wort eine weitere, verborgene Ebene der Wahrnehmung öffnen können. Zum Sprachlich-Rationalen kommt das Visuell-Emotionale dazu. Bilder können Einfluss ausüben. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen: Es gibt Bilder, wie z.B. bestimmte Gemälde, bei deren Anblick ich mich ´klein´ fühle. Dem gegenüber kenne ich Comics aus der Musikszene, do-it-yourself gezeichnet, die einem eine große Kraft geben. 

Wie würdest du den Stil deiner Illustrationen beschreiben?

Diese Frage hat mich mein ganzes Studium lang begleitet und manchmal auch richtig unter Druck gesetzt. Erst im letzten Semester habe ich meinen Stil gefunden. Das kam vermutlich daher, dass ich während meiner Abschlussarbeit die Freiheit hatte, ausschließlich an einem einzigen und von mir selbst gewählten Thema zu arbeiten. Nun, mein Stil ist realistisch, jedoch mit surrealen Elementen durchsetzt. Und kontrastreich, weil ich gern schwarze Tuscheflächen mit Farben kombiniere.

Neben der Illustration ist Graphic Recording dein Steckenpferd. Wie kam es zur Spezialisierung in diese Richtung?

Auslöser dafür war der Kurs bei meiner Dozentin Anne Lehmann. Sie arbeitet in diesem Metier und nahm mich eines Tages zu einem ihrer Graphic Recording Jobs mit. Plötzlich fand ich mich zwischen lauter Maschinenbauexperten wieder. Die Konferenz teilte sich in kleine Gruppen auf, ich war sehr aufgeregt, bekam aber sofort Bestätigung für meine Zeichenkunst. Beim nächsten Mal konnte ich Anne Lehmann schon offiziell vertreten und kam so zu meinem ersten Auftraggeber.

Was genau passiert beim Graphic Recording und wer sind deine Auftraggeber?

Graphic Recording ist ein grafisches Protokoll auf einer Papierbahn. Alle Inhalte eines Meetings oder einer Konferenz werden visuell dokumentiert. Nicht nur das gesprochene Wort, auch bestimmte Zusammenhänge, Rückschlüsse und Essenzen, aber auch Emotionales werden in Bilder und Symbole übersetzt. Die Auftraggeber sind in meinem Fall z.B. Bildungsträger und Wirtschaftsverbände.

Nochmal zu deiner Abschlussarbeit: Du hast ausgiebig zu den Themen Religion, Jenseits und Tod recherchiert. Das illustrierte Ergebnis in Buchform mutet philosophisch, fast wissenschaftlich, an. Jedoch verlagert sich die Aufmerksamkeit der Leser heute zunehmend vom Text zum Bild. Welche Möglichkeiten siehst du, auch zukünftig Bücher mit anspruchsvollen Themen zu gestalten?

Den Buchmarkt kann ich nicht beeinflussen. Sicher ist es schwer, für solche Werke wie meine Abschlussarbeit den entsprechenden Verlag zu finden. Was die Herangehensweise an anspruchsvolle Themen anbetrifft, so könnte ich nie ohne theoretischen Hintergrund arbeiten. Recherche und Vertiefung in ein Thema gehören dazu. Ich kenne auch keine Scheu vor unliebsamen Themen. Bilder können sogar helfen, Ängste und Vorbehalte gegenüber einem Thema – egal ob bei mir oder beim Leser – abzubauen. Und ernste Bilder können durchaus mit Humor betrachtet werden. Ebenso wie humorvolle Bilder durchaus Tiefgang besitzen können.

Wie wurdest du während des Studiums auf deine berufliche Selbstständigkeit vorbereitet?

Zunächst einmal hat das Studium etwas ganz Wesentliches bewirkt: das Selbstverständnis, Illustratorin zu sein. Klingt einfach, ist aber nicht selbstverständlich. Ich sehe es als großes Geschenk, den Mut zu diesem Job gefunden zu haben. Wir hatten zwar auch Kurse wie Existenzgründung, aber noch entscheidender war die Begleitung außerhalb des Unterrichts. Es hilft enorm, sich eine Meinung von außen zu holen, den eigen Stil zu spiegeln und Kritik anzunehmen.

Den Sprung ins kalte Wasser der Berufspraxis habe ich während des Studiums bereits verschiedentlich erlebt. Einmal mit dem bereits erwähnten Job im Graphic Recording, ein andermal habe ich eine Infografik für die Wochenzeitschrift „Die Zeit“ erstellt – ebenfalls durch den Kontakt eines Dozenten.

Zur AID Berlin kommen viele Quereinsteiger, du kamst von der Kunsttherapie. Wann im Laufe deines Studiums fühltest du dich in deiner Entscheidung zum Neuanfang wirklich bestätigt?

Eigentlich gleich am Anfang. Schon bei der Durchsicht meiner Arbeiten beim ersten Mappengespräch – noch als Bewerberin – hatte ich das Gefühl, als Person geschätzt zu werden. Da war jemand, der auf mich und meine Zeichnungen einging und mir die Sicherheit vermittelte, die ich für den beruflichen Neuanfang brauchte. Ich hatte mich lange genug um andere Menschen gekümmert, jetzt ging es um mich.

Welchen kreativen Leidenschaften – neben dem Zeichnen – gehst du sonst noch nach?

Ich schreibe gern, ich tanze gern und (lacht) raste dabei auch gern mal aus …

Gibt es etwas, was du kommenden Studierenden mitgeben möchtest? Etwas, worauf sie während ihrer Ausbildungszeit unbedingt achten sollten?

Alles mitnehmen, was du kriegen kannst! Kurse besuchen, bei denen du unsicher bist, ob du gut bist. Eigene Grenzen überschreiten. Zeichne viel, aber lies auch viel!

Wir bedanken uns für das Interview! 

 

Aktuelle Veröffentlichung: Ahnenversammlung mit Musik, Das Magazin, Heft Februar 2017

Saskias Website: www.saskiarudies.com

Saskias Portfolio und weitere Alumni Portfolios findest du hier. 

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